"Die Geschichte lehrt dauernd, aber sie findet keine Schüler"  - Ingeborg Bachmann

22 | 09 | 2017
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Wieder war es der 1. April an dem eine Feuersbrunst Gaunersdorf heimsuchte. Bedingt durch die Feuersbrunst am 1. April 1822 hatte dieses Datum sicher noch zusätzlich einen erschreckenden Beigeschmack. Im Gegensatz zu 1822 waren diesmal allerdings weit weniger Häuser betroffen jedoch gab es 1871 ein Todesopfer, den Schustermeister Karl Hickl, zu beklagen.

 Folgt man dem Bericht der Merk-Lehrl Chronik so hatte Hickl versucht sein Bettgewand und wahrscheinlich noch andere Habseeligkeiten in den Keller zu retten. Dabei wurde laut Chronik die Falltür durch herunterstürzende Dachteile blockiert und Karl Hickl erstickte im Keller. 

 

Eduard Lehr schreibt in der Merk-Lehrl Chronik:

am 1. April brach im Kleinhaus Wieden Gaunersdorf des Johann Stürzer in der Raier Feuer aus neben Josef Strobl, Brandweiner in Wieden Gaunersdorf. Der heftige Sturmwind von Südost nach Nordost begünstigte den Brand in gerader Luftlinie und erstreckte sich bis zum Ende am Wachtberg der letzten Scheuer des Josef Leber vom Markt Nr. 36 an der Ried Leimbatzen. Es sind abgebrannt zusammen 11 Kleinhäusel, 8 Preßhäuser und 6 Scheunen, darunter unter den Preßhäusern das alte Vizedomkastenamt oder Schüttkasten der Gemeinde Markt Gaunersdorf, ein uraltes Gebäude mit Ziegeldach, welches bei den Bränden in den Jahren 1822, 1823, 1869 nicht abgebrannt ist und diesmal ein Raub der Flammen wurde. Die Wiederherstellung belief sich auf 500 fl Ö.W.. Dieser große Brand hatte meistens arme Leute betroffen, noch mehr bedauernswürdig, daß sich ein Schustermeister namens Carl Hickl, Kleinhäusler, Markt Gaunersdorf, der sein Bettgewand in den Hauskeller retten wollte, durch den niedergeschlagenen Rauch erstickt wurde, da die Falltür im Keller durch das einstürzende Dach eingedrückt und verbrannt wurde.

Dieser Brand war schauerlich, es ist gerade eine Escadron vom 15. Dragoner-Regiment in Gaunersdorf einquartiert gewesen, von dem schrecklichen Anblick ein Soldat vom Pferde fiel und am anderen Tage nach Wien ins Spital überführt werden mußte.

 

Die Zeitung "Das Vaterland berichtet in seiner Ausgabe vom 4. April 1871 vom Brand in Gaunserdorf. Der Artikel im Wortlaut:

 

(Die Marktgemeinde Gaunersdorf,) an der Reichsstraße nach Brünn gelegen, ist in der
Nacht vom 1. auf den 2. April von einem schweren Brandunglücke getroffen worden.
Das Feuer brach um 10 Uhr Nachts aus und dürfte gelegt worden sein. Der heftige Wind
schürte das Feuer, welches vor Mitternacht nicht gelöscht werden konnte und aus der
nordwestlichen Seite des Marktes großen Schaden anrichtete.
Die Zahl der abgebrannten Häuser und Scheuern zusammen kann auf 20 angegeben werden;
Kirche, Pfarrhof und Schulhau« haben nicht geliten.
Die Verwirrung ist noch zu groß, als daß man verläßliche Angaben erfahren könnte.
Ein 33jähriger Mann soll in einem Keller erstickt sein.

Bericht in der Zeitung "Das Vaterland" am 04.April 1871 - Ausgabe Nr. 93
Quelle: Österreichische Nationalbibliothek

Karl Hickl hinterließ seine Gattin Rosalia Hickl, geborene Pfitzer aus Altruppersdorf. Das Paar dürfte Kinderlos gewesen sein.
Was uns die Ortschronik  verschweigt ist der Umstand das sich damals in der Bevölkerung Unmut gegen den Wundarzt Anton W. geregt hat.
Ihm wurde vorgeworfen seine Pflicht als Arzt vernachlässigt zu haben. Das fand auch Einzug in eine Zeitung.

Hier ein Beitrag in den "Jörgerbriefen" der Zeitung "Hans Jörger".

Mistelbach. Ein Korrespondent von diesem Ort behauptet, daß der Schuhmacher, der bei dem
Brand in Gaunersdorf (Nacht vom 31. März auf den 1. April) durch den Dacheinsturz verunglückte,
noch gerettet werden hätte können, wenn der Wundarzt Anton W., statt den Unglücklich 
hilflos liegen zu lassen, die einfachsten Wiederbelebungsversuche angestellt hätte.
Die Bevölkerung soll höchst entrüstet sein.
Die Bevölkerungen haben machmal sehr schiefe Ansichten; ich kann mich nicht entschließen
und wage es nicht, auf ein bloßes Geplausch hin, gegen einen honetten Mann den Vorwurf
der Pflichtverletzung zu erheben.

Bericht in der Zeitung "Hans Jörger" am 22.April 1871 - Heft 17, 40. Jahrgang
Quelle: Österreichische Nationalbibliothek

Es ist natürlich schwer ca. 140 Jahre danach zu urteilen aber glaubt man den beiden Berichten
(Chronik und Zeitungsartikel aus "Das Vaterland") so hätte kein Arzt mehr etwas für Karl Hickl tun können.

Sieht man sich dazu den Eintrag in der Sterbematrik der Pfarre Gaweinstal an, so findet man als Todesursache "Stickfluß", also ein Lungenödem "infolge des Feuerrauchdampfes" 
Das wurde im Zuge einer gerichtlichen Obduktion am 04. April 1871 festgestellt. 
Karl Hickl wurde am 04. April 1871 "um 4 Uhr Nachmittags" auf dem "hiesigen Friedhof" begraben. 
Das Begräbnis nahm Pater Severin Moshammer, Cooperator in Gaunersdorf, vor.

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