"Die Geschichte lehrt dauernd, aber sie findet keine Schüler"  - Ingeborg Bachmann

28 | 07 | 2017
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 Anno 1691

wütete die Pest in Wien und den Vorstädten; es ergriff das Übel auch schon einige Märkte und Dörfer auf dem Lande,
doch auf kluge Vorsehung und herannahenden Winter wurde es bald zu Ende gebracht.

Anno 1692

starb  Herr Peter Heinrich Frühwirt  k.k. Postbeförderer in Gauners­dorf, welcher in seinen Lebzeiten willens gewesen war,
ein ewiges Licht für die Pfarrkirche zu Gaunersdorf zu stiften, welches auch nach seinem Tode geschehen, wie es nachstehende Urkunde beweist.
Er wurde sodann in die Pfarrkirche neben dem Tauf­stein begraben und über sein Grab  folgende Grabschrift in Marmor eingehauen:

           Hier liegt begraben der Edlueste Herr Petter Hainrich Fruhwürth gewester

           Postbefirderer in Gaunersdorf so gestorben den 6ten Aprill 1.692 seines

          Alters im 37ten Johr dem Gott ein fröliche auferstehung Verleichen wolle

 

Anno 1692 

ist zur Ehre Gottes das ewige Licht für die Pfarrkirche zu Gaunersdorf folgendermaßen auf ewig gestiftet, wie nachfolgender
merkwürdiger Stiftungsbrief wörtlich vorweiset und bestätiget:

Zu vernehmen wasmaßen weiland Herr Peter Heinrich Frühwirth gewester k.k. Postbeförderer in dem kaiserlichen Markt Gaunersdorf
nunmehr selig noch bei seinen Lebenszeiten aus gut geneigten Gemüt gewesen und Eifer der Ehre Gottes bei jüngst vorge­nommener
notwediger reparis und Wiedererhebung des fast stündlich zum Einfall bereit gewesenen Gotteshauses und Pfarrkirche zu gemelten
Gaunersdorf bei unserer lieben Frau auf dem Berg genannt, zu besserer Bestreitung der dazu erfodernder grossen Ausgaben einen
Beitrag und Hilfe mit vierhundert Gulden zu tun dergestalten gesonnen gewesen, daß dagegen von nun an fürohin in Ewigkeit,
zu mehreren Ehr und Glory Gottes, auch sein Frühwirths und den seinigen armen Seelen Heil eine brennende Ampel in
gemelten Gotteshaus bei dem Hochaltar daselbst auf des Gotteshauses eigene Unkosten sollte aufgerichtet und beständiglich
unterhal­ten werden. Wenn das aber Er Herr Frühwirth vor Einrichtung dieses wohlgemeinten guten Werkes mit zeitlichem Tod
abgangen, als hat anjetzo dessen nachgelassene Witib, die tugendsame Frau Maria Elisabetha Frühwirthin, diese obengenannte
gute Meinung wirklich ins Werk gesetzt und die besagten vierhundert Gulden in lauter guten baren Geld zu der Kirchenlade und
deren verordneten Kirchenvätern Handen ohne Abgang erlegt und bezahlt.

Diesemnach dann wird hierauf von ihro Hochwürden und Gnaden, dem Hochwürdig in Gott andächtig auch wohl edel und hochge­lehrten
Herrn Sebastiano Abten des. löbl. Stifts und würdigen Unser lieben Frauen Gotteshaus zu den Schotten in Wien,
den röm. kayserl. majest. Rat und einer löbl. N.Ö.Landschaftsverordneter als obengemeldeten Gotteshaus und Pfarrkirche zu
Gaunersdorf Vogt und Lehenherr, obgenannter Frauen Maria Elisabetha Frühwirthin Witiben und allen dero  Erben hiemit zugesagt und versprochen,
angeregtes Ewiges Licht im mehrbesagten Gotteshaus zu Gaunersdorf vor dem Hochaltar daselbst anjetzo gleich anzünden und dann fürohin
zu ewigen Zeiten
brennen zu lassen. Dieses ist auf ewig fest und unverbrüchlich zu halten angelobt und versprochen worden.     

Es zusagt auch oben hochgedacht Ihre Hochwürden und Gnaden der Herr Abt zu den Schotten als Vogt und Lehensherr von sich und dero
Successores ob diesem allen statt und feste Hand zu halten, auf dass weder im einen als anderen einiger Mangel nicht erscheine, noch
weniger was unterlassen werde und sollen hierüber Herr Marktrichter  und ein ehrensamer Rat des kaiserl. Marktes Gauners­dorf verbunden sein,
wenn etwa künftig wider alles Verhoffen einige  Nachlässigkeit  in Unterhaltung  dieses Ewigen Lichtes sich ereignen sollte, solches alsogleich
hochgedacht Ihro Gnaden dem hochwürdigen Herrn Abten zu den Schotten oder deren Herrn Succesores zu hinterbringen alles getreulich und ohne Gnade.
Dies alles zu mehren Urkundt sind dieses Stiftsbriefes vier gleiche Exemplaria aufgericht von Markt Gaunersdorf Ihro Hochwürden und Gnaden dem
Herrn Abbten als Vogt wie auch von der Frauen Frühwirthin Witiben dann ihren hiezu erbetenen zweien Beyständen als Herrn Johann Wendler
dermaligen Marktrichter und Herrn Mathiasen Scheiblauer bgl. Bäcker allda in Gaunersdorf mit Handschrift und Petschaft bestätiget, davon ein
Exemplar in das löbl. Stift Schotten Archiv des anderen in die Kirchenlade in Gaunersdorf, das dritte der Frauen Frühwirthin und das vierte
und letzte in die Gaunersdorfer Bürgerlade erlegt, eingehändigt und aufbehalten worden.

 Actum Gaunensdorf  in dem Pfarrhof den fünfzehnten Monatstag July nach der gnadenreichen Geburt unseres Erlösers Heylandt und Seligmachers Jesu Christi.

1692.

                                           Maria Elisabeth Frühwirthin

Sebastian                           Johann Wendler Marktrichter

Abt zu den Schotten           Mathias Scheiblauer

 

Anno 1696

da ward das mirakulöse Marianische Gnadenbild von Pötsch aus Ungarn auf Befehl des kaiserl. Hofes auf den 7. Juli nach Wien gebracht und mit
grosser Andacht bei St. Stephan beigesetzt.
Nicht minder hat man in der Pfarrkirche zu Gaunersdorf einen neuen Altar erbaut und mit dem Bild Maria Pötsch geziert und zu dessen Ehren eingeweiht.

 

Anno 1698

im Monat May sah man zu Gaunersdorf die unterwegs begriffene moskowitische Gesandtschaft, wobey sich der Czar Petrus Alexowitz selbst persönlich,
wiewohl in Cognito befunden, allhier mit grossem Gefolge durchreisen.

 
Anno 1702

ist an der Pfarrkirche zu Gaunersdorf das Prespiterium und der Kirchen Turm aufgebaut worden; vorhin hatte die Kirche kein Prespiterium und keinen Turm.
Man hatte vor diesem Bau das alte feste Stadttor, welches da stund, wo dermalen der Aufgang über die steinernen Stiegen bis an den darmaligen Eisen Gatter ist,
und den darüber gebauten grossen Turm, auf dem das Geläute und die Uhr stunden, samt den starken und weitläufigen Mauern um den Friedhof abgebrochen
und sind diese Materialien zu gesagtem  Bau gebraucht worden; dann ist die dermalige Frithof Mauer sambt dem Beinhäusel gebaut worden.
Da ist es auch geschehen, dass der tiefe  Festungsgraben um die Kirche und den vormaligen Gebäuden völlig angeschüttet worden,
in welchem dermalen lauter Kleinheisel stehen und gar kein Andenken mehr zu sehen ist.

 

Anno 1702

ist die große Glocke für die Pfarre Gaunersdorf gegossen worden wie folgende Aufschrift zeiget:

         anno 1702  goss mich Johann Achamer kais. Stuckgießer in Wien.

Dann ist Christus am Kreuz und die unbefleckte Mutter Gottes, dann der hlg. Sebastian zierlich gegossen zu sehen.

        Regnante R.M.G.Per. Illustri. A.C.A.M.P.Lmo. Domino Domino Sebastiano

        Abbas te Viennae.

        Ad Scotos Ejus Vicario P. Amando Eiseberner Ibidem et Judice Joannes

        Wendler Gaunersdorfensis

 

Anno 1704

den 22.  August  war die Hand Gottes schwer über Gaunersdorf, da nämlich eine fürchterliche Feuersbrunst in Zeit von einer
Stund den ganzen Markt, Aigen Gaunersdorf, den Pfarrhof und die Kirche zu Aschenheiser machte und alles verzehrte;
das wunderbarste war aber, daß in der Pfarrkirche das einzige Altarbild mitten in den Flammen nicht verzehrt wurde, welches Bild bis
heutigen Tages noch in der Sakristei sorgfältig aufbewahrt wird und mit folgender glaubwürdiger Aufschrift geziert ist:

             Die Flammen des Feuers haben mich umgeben 1704 den 22. August und

             in mitten denen Flammen bin ich nicht ver­zehret worden.

 

Anno 1704

Nachdem wie gesagt durch Feuer der Markt Gaunersdorf  gänzlich eingeäschert, da hat man zu Gott gelobt und versprochen,
am Tage des hl. Florian zur Ehre Gottes und dieses Heiligen eine Prozession in dem Markt zu halten, das ist mit dem allerheiligsten Sakrament,
wie die Fronleichnamsprozession mit aller Feierlichkeit und Verehrung gelobt und versprochen alle Jahr und künftigen Zeiten ewiglich zu halten fest­gesetzt.



Anno 1704

Bei fortdauernden Krutzenkrieg mußten die Bürger und Bewohner Gaunersdorfs zur Abhaltung des Feindes die Schanze an dem Marchstrome errichten helfen; 
da aber die ungarischen Rebellen oder Krutzen  mit großer Macht und Gewalt die Verschanzungen über­stiegen, das Land jämmerlich zu verwüsten anfingen,
die Stadt Zistersdorf eroberten und Gaunersdorf in der Gefahr war, so wie die benachbarten Dörfer verheert zu werden, da haben die Bürger zu Gaunersdorf
ihre besten Sachen in die Erdställe verborgen und auf dem Wachtberg einen sehr hohen Steigbaum errichtet, auf welchem Tag und Nacht 2 Mann die Wacht hielten.
Da aber auf einmal der Feind von Obersulz her auf Gaunersdorf anrückte und willens war, die ganze 
Haltvieh von der Halt oder Viehweid wegzutreiben.
dieses  feindliche Vorhaben wurde alsobald von den Bürgern bemerkt, das gesamte Vieh in Sicher­heit gebracht, die Bürger versammelten sich augenblicklich
auf dem Wachtberg und gingen dem Feind beherzt entgegen und gaben aus allen ihren Schiessgewehren Feuer. 
Da machte der Feind Halt da er sah, daß man Gewalt mit Gewalt messen will, zogen sich die Krutzen wieder zurück. 
Ein Mann von dem Feind hat sich aber zu weit von den Seinigen entfernt und ist den Gaunersdorfer Bürgern als Gefangener in die Hände gefallen,
und ist in Eisen geschlossen nach Wien abgeführt worden.

Eingeklebtes Blatt mit Tuschzeichnung „Denkmal von dem Krutzen-Krieg anno 1704“ mit folgender Bemerkung:

Diese Säule ist durch mich Eduard Lehrl im Jahre 1869 nach der Natur aufgenommen worden und mit den Bildern der heil. Dreifaltigkeit und Mariahilf derzeit gezieret gewesen.

 

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