"Die Geschichte lehrt dauernd, aber sie findet keine Schüler"  - Ingeborg Bachmann

21 | 11 | 2017
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 Anno 1555

Eine eingefügte Seite mit dem beschrieben Konterfei eines Bürgermeisters mit Toga, Zepter und Schwert und in der linken
Hand auf einem Buche zwei Schlüssel haltend. Sein Bart reicht unter die Knie. Das Bild ist auf gewöhnlichem Papier mit Tusche sehr gut ausgeführt.
Unten steht in Blockschrift:

Her Hans Burgermeister Marktrichter zu Gaunerstorf. 1555.

Links und rechts vom Bild ist zu lesen:
Zu beachten ist, daß sich dieses Grabkreuz an den aufgelassenen Friedhof bei der Kirche befunden hat.


Darunter steht folgende Textanmerkung:
Dieser Herr Burgermeister ist auf dem Gottesacker an einem eisernen Grabkreuz aufgemahlt, durch Martin Merkh am 1. Mai 1792 genau
dem Original copiert worden. Habe daher selbes Bild wieder genau seiner Copie nachgetragen.
Selber Merk führte in seinem Buche Zeugen an für selbes Bild, die bestätigen für die Richtigkeit der Zeichnung, will daher nur die
vorzüglichsten anführen:
Hr.P.Celestinus – Pfarrer, Hr. P. Odilo-Vicar und Hr. Mathias Seiberl, Marktrichter derzeit in Gaunersdorf

.

Ungefähr Anno 1550 bis 1560

Hat das Stift Schotten in Wien Aigen und Wieden Gaunersdorf samt dem Frucht und Weinzehent des Marktes Gaunersdorf erhalten,
so wird von den Stift schottischen Geistlichen wie auch von den alten Gaunersdorfern erzählt, ein Kaiser sei seiner kaiserlichen Braut
bis in die Stadt Tulln in Nieder Österreich entgegengereist und hat allda Beilager gehalten und diese Kaiserin hat ihren Gemahl überlebt,
so hat sie beschlossen, ein Frauenkloster in Tulln zu stiften und in diesem Frauenkloster ein frommes Leben zu führen. Zur Fundierung
des Klosters wurde die Stadt Tulln oder wie andere behaupten wollen, eine nahe liegende Herrschaft gewählt, welche aber dem Stift
Schotten zu Wien untertänig war, da hat der kaiserliche Hof dem Stift Schotten Aigen und Wieden Gaunersdorf mit dem Wein- und
Fruchtzehent abgetreten; auf solche Weise ist das Stift Schotten zu dem Besitze in Gaunerndorf gekommen und das neue Kloster in Tulln gestiftet worden.

Das Jahr und alles Ausführliche konnte ich nicht erhalten; aber das Stift Schotten wird alle Akten in ihren Händen oder Besitz haben,
wenn nicht bei dem großen Brand des Klosters 1683 bei der türkischen Belagerung selbe zu Grunde gegangen sind.

 

Anno 1570

hat der Markt Gaunersdorf sich dem Kaiser Maximilian auf eine sonderbare Weise verbündet, dass Gaunersdorf wegen dargeschossenen
1.000 fl Geld als ein freiwilliges Geschenk und Auslösung der Dörfer Schrick und Oberweiden damit selbe nicht verkauft oder vertauscht werden.

Wir Maximilian der annder. von Gottesgenaden erwählter römischer Kaiser zu allen Zeiten, Mehrer des Reiches in Germanien und auch zu Ungarn,
und Böhmen König etz. Erzherzog zu Österreich, Herzog zu Burgund, Steier, Kärnten und Krain, zu Würtemberg, in Ober- und Niederschlesien, Graf zu Tirol etz. etz. etz.

bekennen für uns und alle unsere Erben öffentlich mit diesem Brief als uns hievon unsre Untertanen unseres Marktes Gaunersdorf Getreue,
zu unseren merklichen hohen obliegenden Kriegsausgaben in dem gemeinen Anlehen einhundert und vierzig Gulden rheinischer Währung einer
sonderen Schuldenverschreibung, so sie 
uns gegen diese Verschreibung zu unseren Handen wieder zugestellt, auch an jetzo, zur Ablösung unserer
zwei Dörfer Schrick und Oberweiden, in unserem Erzherzogtum Österreich unter der Enns gelegen, anjetzo unseres niederösterreichischen
Kammerrats und getreuen lieben Christophen vormals von Haus zu Raggendorf. Pfandinhabung siebenhundert Gulden reinisch gehorsamst
dargeliehen und noch dazu über diese sonderbare Handlung die wir durch unseren Verord¬neten niederösterreichischen Kammerrat mit jenen
pflegen lassen, einhundert und sechzig Gulden, welche drei unterschidliche Posten, eintausend Gulden rheinisch bringen ohne einige Wiederbezahlung,
freiwillig in Untertänigkeit darzugeben bereitwillig zu lassen, bewilligt, dass wir dennoch um solchen ihrer gehorsamsten Willfahrung und von sonder Gnaden
obgedachten unsere getreuen Untertanen und ihren Nachkommen gnädiglich Versprechung zugesagt und bewilligt haben, versprochen zu sagen und bewilligen
auch hiemit öffentlich und in Kraft dieses Briefes also und dergestalt, dass wir noch unsre Erben und Nachkommen am Haus Österreich gedachte von Gaunersdorf
und ihre Nachkommen und hinfüro zu ewigen Zeiten von unserem Kastenamt niemand andern verkaufen, versetzen noch verwenden, sondern dabei also gnediglich
bleiben lassen und in unserem Schutz erhalten wollen; gnädiglich und ohne Gnade mit Urkund dieses Briefes mit unserem Insiegel verfertiget.
Gegeben in unserer Stadt Prag den letzten Januari nach Christi unsres lieben Herrn und Seligmachers Geburt, im fünfzehnhundert und siebzigsten, unserer Reiche des römischen im achten, des ungarischen im siebenten und des behmbischen im einundzwanzigsten Jahr.

Maximilian m.p.


Grundbuch follio 210
anno 1573
Ist zu finden die Gemärkbeschreibung des kaiserl. Kastenamtes Markt Gaunersdorf wie solche in den alten Urbario da: A: 1573 folio 105 geschrieben steht.
In welch beschriebenen Markt Gaunersdorf und derselben Burgfrieden gehört, alles mit Pahngericht und aller Herrlichkeit der römischen kais. Majestät als
Landesfürsten und Grundobrigkeit, eigentümlich zu Inhaltung und Vermög ihres der von Gaunersdorf Pahnbuch und Freiheiten und was darinnen für Totschläge oder andere Malefizhandlungen sich zutragen und begeben, das wird durch sie und die Gemeindeanzeigen gegen Wien in der kais. majestät. Zuchthaus, von dannen in das Stadtgericht daselbst überantwortet, auch wie sich zur Recht gebührt ohne Entgeld der Gaunersdorfer gehandet, wie denn solches von altem Herkommen ist.
Actum Gaunersdorf den sechsten März anno im fünfzehnhundertdrei und siebzigsten

.
Gemein proticol foll 94

Anmerkung wegen des Pahnbuches und dessen Inhalt

Die Felder, Wiesen, Hutweiden, Waldung, enthält dessen Grenzbeschreibung, alte Gewohnheiten, dann Landesgerichtssachen, und wurde
von dem Marktrichter allezeit als Richtschnur hochgeschätzt. Wenn ein Marktrichter erwählt war, so reichte erstlich der Herr Verwalter im Namen
der Herrschaft dem Richter den Stab, dann zweitens das Panbuch. Dieses Buch war ganz geschrieben ungefähr 9 Zoll hoch und 7 Zoll breit und 1 1/2 Zoll dick.
Josef Winkler hat zum letzten Mal dieses Buch in seine Hände erhalten, welches ich, Martin Merk gesehen und in meine Hände nahm und an Eidesstatt bezeuge.
Nach zwei oder drei Jahren habe ich den Richter gebeten, er möchte mir dieses Buch leihen, damit ich es in die Geschichte der Gaunersdorfer abschreiben könne, aber der Richter sagte, er wisse nichts davon und leugnet mir das Buch gänzlich ab. Sagte, er habe niemals was gesehen, noch weniger was gehört und wisse nicht, was ich verlange. Nach dessen Tod hat man bei Übernahme aller dem Markte zuständigen Schriften nicht mehr gefunden; es ist wahrscheinlich, daß in dem Pahnbuche etwas wegen der Mühle oder dem Bache enthalten, welches dem Josef Winkler anstößig, darum hat er das Pahnbuch vertilgt, um es ganz aus dem Gedächtnis zu bringen, und es ist ihm auch gelungen.
Bei Wählung des nachkommenden Richters Johann Dachler, da hat sich niemand um das Pahnbuch bekümmert, wie es gewöhnlich bei gleichgültigen, ungelehrten und kurzsichtigen Menschen zu gehen pflegt, und auf solche Weise ist das Pahnbuch vertilgt worden.
Es wäre der Marktgemeinde Gaunersdorf zu raten, ein neues Pahnbuch zu erheben, weil es sehr notwendig ist.-

Anmerkung.
Von Seite 242 anno 1807, wo ich Eduard Lehrl die Geschichte des Herrn Martin Merk fortsetze, führe ich Gemeinde Ausschußsitzungen in dieses Buch durchaus nicht ein, weil nur die Geschichte Gaunersdorfs, was merkwürdig ich befinde, für die Nachkommenschaft fortsetzen.
Eduard Lehrl sen.


Anno 1595

entstand in Gaunersdorf große Furcht wegen der Rebellion der unter- und oberösterreichischen Bauern, welche darum aufgestanden,
weil sie ihrem Vorgeben nach von ihren Herrschaften wider alles Recht mit neuen Umlagen beschwert, wider Gewohnheit zum türkischen Krieg
Soldaten stellen mußten, sonderlich aber und hauptsächlich darum, weil ihnen als Lutheranern das freie Religions Exerzitium nicht erlaubt wurde;
sie nahmen ziemlich überhand, die Pfarrer und kath. Seelsorger wurden von ihnen ausgejagt, die Schlösser geplündert,
Städte, Märkte, Dörfer und Klöster eingenommen, ausgeraubt und verbrannt, wobei viele tausend Menschen totgeschlagen und jämmerlich ihr Leben geendet haben.

 

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